Thursday, November 21, 2013

The Image (1975) - Erotisches SadoMaso Meisterwerk von Radley Metzger - Review von Counte Lacoste

Die meisten Filme des Pornochick der Siebziger funktionieren über den pornografischen Kontext heraus als eigenes Kunstwerk. Die Filme leben von ihrer erotischen und künstlerischen Inspiration, von Atmosphäre, Witz oder Ironie, von Ekel, Angst oder Rebellion und das ohne vom Kernthema Sex abzulenken. Jeder geglückte Streifen des GOLDEN AGE OF PORN wird dem Zuschauer nicht nur als Pornofilm, sondern auch als erotischer, spannender, obskurer, grausamer oder lustiger Film nachhaltig in Erinnerung bleiben. Eines dieser Highlights ist THE IMAGE, das unter der Regie von Radley Metzger 1975 entstanden ist. Das erotische Meisterwerk zeigt das Anhängigkeitsverhältnis zweier Frauen in einer psychologischen Sado Maso Beziehung.


The Image  -

Erotisches SadoMaso Meisterwerk
von Radley Metzger
  
Review von Counte Lacoste

Über ein Psychologisches
Abhängigkeitsverhältnis zweier Frauen 
 
Anne (Mary Mendum) und Claire (Marilyn Roberts) -
zwei Frauen in einem psychologisch-erotischen Abhängigkeitsverhältnis


The Image

Originaltitel: The Image
Erscheinungsjahr: 1975
Regie: Radley Metzger

Darsteller:
Mary Mendum, Carl Parker, Marilyn Roberts, 
Yvette Hiver, Michelle Vence, Estelle McNalley, Nicole Rochambeau

THE IMAGE (1975) - Sado Maso Spiele zu dritt:
Jean (Carl Parker), Claire (Marilyn Roberts), Anne (Mary Mendum)

Inhalt

Auf einer exklusiven Party in der Nähe des Place de la Concorde trifft der Schriftsteller Jean seine langjährige Freundin Claire wieder. Nach dem Austausch von verbalen Nichtigkeiten gerät Claires junge blonde, ganz in weiß gekleidete Freundin Anne ins Blickfeld von Jean. Als ein guter Beobachter registriert er dass eine geheimnisvolle Verbindung zwischen den beiden Frauen existiert. Als Jean im Begriff ist die langweilige Party zu verlassen, wird er von Claire zu einem Restaurantbesuch eingeladen.
Am Tag darauf trifft sich das Dreiergespann im Bagatelle Rosengarten, wo Jean das Herrin/Sklavin Spiel der Zwei mit Faszination beobachtet...
 

In den nächsten Tagen wird Jean in das Spiel der beiden Frauen mit einbezogen. Seine Begierden richten sich ausschließlich auf die unschuldige, devote Anne. Im Off (Jean fungiert als Erzähler im Film) erzählt er dass er kein sexuelles Interesse an seiner dominanten Freundin Claire hat. Als Beweis ihrer Hörigkeit wird Anne an Jean verliehen, der mit ihr ein paar erotische Abenteuer in Paris erlebt. 
Im letzten Kapitel erwartet den Zuschauer eine unerwartete Wendung.

 Meinung

Catherine de Neuve in BELLE DE JOUR

Unterdrückte erotische Phantasien
Mit dem Thema BDSM kam ich in Berührung als ich Luis Buñuels „Belle deJour“ im Fernsehen sah, eine gelangweilte Gattin, brillant gespielt von der jungen Catherine de Neuve, die ihre unterdrückten erotischen Phantasien , in einem Bordell auslebt. Interessant sind die surrealen Filmsequenzen des Regisseurs die er in dem Film mit eingebettet hat.


Corinne Clery - Die GESCHICHTE DER O (1975)

Zensur
In den Siebzigern erschien dann die Verfilmung des Romans von Domique Aurys (Annes Desclos) Geschichte der O in die Kinos. Just Jaeckin hätte bei seinen seichten Softpornos bleiben sollen, denn die filmische Umsetzung der erfolgreichen Literaturvorlage ist ihm gänzlich misslungen. Es ist mir auch unverständlich warum dieses unsägliche Machwerk von der bundesrepublikanischen Zensurbehörde 25 Jahre in den Giftschrank verbannt worden ist. 
  
Sklavin und Herrin - Anne und Claire in freier Natur ...

... und nackt im Bad bei erotischen SadoMaso Spielen.

Radley Metzgers außergewöhnlicher Film
Wenden wir uns aber Radley Metzgers „The Image“ zu, der in Fankreisen als außergewöhnlicher Film gepriesen wird. Bei „The Image“ handelt es sich um eine Kurzgeschichte der französischen Autorin Catherine-Robbe-Grillet, die sie unter dem männlichen Pseudonym Jean de Berg veröffentlich hat. 


Anne und Claire bei SadoMaso Spielen um Macht und Unterwerfung.

SadoMaso Beziehung von Claire und Anne in 10 Kapiteln
Der Film ist in zehn Kapitel aufgeteilt, die dem Zuschauer in Kartenform und schwarzem Hintergrund am Anfang der Episoden präsentiert werden, als Sprecher fungiert der männliche Protagonist Jean im Hintergrund. Das Hauptaugenmerk ist auf die sadomasochistische Beziehung von Claire und Anne gerichtet.  

 Erotische Spiele mit der Rose -
 Sinnlich anregende Berührung von Annes Schamhaaren mit der Rose (l) 
 und Begießung der Rose mit Natursekt aus Annes geöffneter Möse (rechts).

Spiel mit der dornigen Rose
Jean wird Augenzeuge wie Anne im Garten von ihrer Herrin mit einer dornigen Rose gequält wird, sie anschließend von ihr mit Worten erniedrigt wird. In einem abgelegenen Teil des Gartens wird sie von ihrer Gebieterin Claire zum Urinieren gezwungen, auffallend hierbei, dass die Rose, die vorher am Hüfthalter eingezwängt war, bei Hinknien auf den Boden fällt und der gelbe Strahl des blonden jungen Mädchens auf die Rose trifft.

Das Minenspiel im Film hat eine eigene, verständliche Sprache

Sprechendes Minenspiel bei sexuellen Ausschweifungen
Dieses Trio Infernal entführt den Zuschauer in einen Strudel von Leidenschaft und sexuellen Auschweifungen. Die Gewalt manifestiert sich in dem gekonnten Minenspiel der hervorragend agierenden Schauspieler, unbezahlbar die boshaften Blicke der Dominatrix Claire, wenn sie ihre Sklavin mit der Peitsche quält.
Als devote Gespielin spricht die gertenschlanke Anne sehr wenige Sätze in dem Film, vielmehr sehen wir es in ihrem Gesicht, wie sie ihre blauen Augen vor Panik weit aufreißt, wenn sie von ihrer Herrin mit der Peitsche gezüchtigt wird. 


Auf die Wahl der richtigen Peitsche kommt es an.

Bestrafungsaktion mit der Peitsche
Eine andere Bestrafungsaktion ist einer der erotischen Highlights des Films. Nach dem Spaziergang im Rosengarten, trifft Jean das Objekt seiner Begierde an einem Bücherstand in der Nähe des Seine Ufers wieder; sie tut so als würde sie Jean nicht kennen und weist ihn schroff ab, als er versucht mit ihr ins Gespräch zu kommen.
Ein paar Tage später trifft Jean seine Freundin Claire als sie ihren Hund spazieren führt und sie verabreden ein weiteres Treffen. 

Jean erzählt Claire vom abweisenden Verhalten seiner submissiven Gespielin, diese wird von ihrer Herrin herzitiert und heftigst mit der Peitsche malträtiert.

Anne lutscht mit voller Hingabe Jeans Schwanz und wird dabei von Claire lustvoll ausgepeitscht.



Blasen und Peitschen
Später sieht man Anne auf allen Vieren kniend vor einem Stuhl, die Arme sind an den Lehnen mit Ketten gefesselt, ihre Herrin befriedigt sie von hinten, wobei Claire ihre Nässe bemerkt und zu Jean gewandt sagt: „Sie ist pitschnass. Es ist ein richtiger See.“Mit kalten Blicken registriert er die Schmerzen von Anne, er befreit sein Geschlecht von seinem Gefängnis und bietet ihn Anne dar, die zuerst zögert seinen Schwanz in den Mund zu nehmen. Doch Jean zwingt sie zum Blasen indem er ihren Kopf mit seinen Händen auf sein Gemächt stülpt, kurz vor dem Höhepunkt bittet er Claire Anne auszupeitschen. Während sich das Opfer vor Pein windet kommt Jean mit einem Gesichtsausdruck voller Wonne in ihren Mund. 


Geile Lutsch- und Blaseinlage in der Umkleidekabine:
Während Anne (Mary Mendum) der Verkäuferin (Yvette Hiver) die Möse leckt (l),
lutscht diese voller Hingabe und mit Lust Jeans steifen Schwanz (Carl Parker) (r). 

Lutsch- und Blaseinlage in der Umkleidekabine
Eine andere Szene spielt sich in einem Dessousgeschäft ab, wo Jean seine neue Freundin Anne der Verkäuferin den Busch von Anne präsentiert. Später wird die junge Dame in die Umkleidekabine gerufen. Eine richtig heiße Szene hat Metzger da hinbekommen: Anne verwöhnt das Mädchen kniend mit der Zunge, während diese zärtlich an Jeans Schwanz bläst. 

 
Sind solche Szenen für normale Zuschauer "kinky" - abartig und pervers? 

Kinky - abartige und perverse Szenen?
Ein alter Cineast wie ich es bin, ist ja schon Einiges gewöhnt. Bei meinen Recherchen zu THE IMAGE stieß ich auf Kritiken die die Szenen im gotischen Verlies als unkonsumierbar bezeichneten. In englischen Reviews stieß ich auf das Wörtchen „kinky“, welches für abartig und pervers steht.  

 Heiße Nadeln erhöhen das SadoMaso Lustempfinden.

In diesem Zusammenhang fällt mir das treffende Zitat von Ernst Bloch dazu ein: 
"Der Spießer: Gegen alles, was er nicht gewohnt ist, ist er zur Stelle, jederzeit.“


Alle guten Dinge haben einmal ein Ende - auch die SM-Beziehungen.

Ende der Ménage-à-trois
Der Bruch der Ménage-à-trois ist unausweichlich und das Ende des Kapitels heißt: Es klärt sich alles von selbst. Die vermeintliche Dominatrix Claire erweist sich als Switch und lässt sich von Jean beherrschen.
Am Ende findet Claire einen neuen Herrn, dem sie sich unterwirft: Jean

Fazit

Psychologisches Abhängigeitsverhältnis zweier Frauen
Radley Metzger hat sich in seiner Karriere als Regisseur mit Literarturverfilmungen einen Namen gemacht, die Leere der dekadent lebenden Upperclass wird auch in seinen Filmen "The Lickerish Quartett" und "Camilla 2000" thematisiert. In The Image richtet sich der Fokus von Metzger auf das Abhängigkeitsverhältnis zweier Frauen. Nach THE IMAGE hat sich Metzger erfolgreich auf das Hardcore Fach spezialisiert. 
 
Claire (Marilyn Roberts) genießt die SadoMaso-Praktiken, 
die sie mit der Nadel an Anne (Mary Mendum) ausführt.

Exzessiver SadoMaso Hochgenuss
Der Pornokonsument wird explizite Szenen vermissen, doch der Reigen der exzessiven SM Szenen in dem Film, sind ein Hochgenuss für jeden Rezeptienten anspruchsvoller Erotikfilme.
THE IMAGE ist eine Perle des erotischen Films, mit großartigen Akteuren, exzellenten Bildkompositionen, edlen Settings und einem fulminanten Soundtrack. Ein Film der die Sinne stimuliert, ein Meisterwerk des literarischen Arthousefilms, der sehr zum empfehlen ist.
.
Trailer - Ein SM-Appetitanreger
http://www.youtube.com/watch?v=tNmWZGJ9tk8#t=33


Anne nackt und für SadoMaso Spiele im Gotischen Verlies bereit.

THE IMAGE
http://www.6filme.org/The_Punishment_of_Anne_THE_IMAGE.htm

Radley Metzger and The Golden Age of Porn

The Image - Reviews



GOLDEN AGE OF PORN - PORNOCHIC - GOLDEN AGE OF PORN
Threesome. Illustration: Annette Schulze-Kremer, ask.illu.(left) - & - Marilyn Chambers Sperm Sucking (right).
GOLDEN AGE OF PORN - PORNOCHIC - GOLDEN AGE OF PORN

Wednesday, November 20, 2013

This Week on Sex City—November 19, 2013


First we find out about the research being done by Dr. Lorne Campbell from SMaRt Lab at Western University, studying the use of pornography within romantic relationships. They are currently looking for participants to do their online survey, so listen in if either you or your partner enjoy porn, together or separately. Then we talk to Giles Hirst from Pingay, which is like Pinterest for gay porn images. They are currently running a Cock Carnival contest, where people can submit pictures of their penis dressed up in a costume. Finally we call up Mr Guido Lenssen, the inventor and developer of VULVA Original, a bottled aroma that promises to be the "real erotifying vaginal scent of a desirable woman."

LISTEN 

Sunday, November 17, 2013

Bondage - Vom sich hängen lassen und anderen befreienden Spielen - Gastbeitrag von Lou Ping für RSM

Ein thematischer Schwerpunkt auf dem PornFilmFestival 2013 in Berlin war BONDAGE und der BDSM / SadoMaso Bereich. Kurator Claus Matthes stellte dazu in einem Interview fest: "BDSM wird zunehmend salonfähig. Man traut sich heute, dazu zu stehen, nach der Arbeit zu einer Domina zu gehen. ... Man kann heute eins zu eins sehen, was bei SM-Sessions passiert. Man sieht, was Frauen vor der Kamera mit sich machen lassen." 
RSM greift das Thema BONDAGE hier auf, um es etwas näher zu beleuchten. Mit LOU PING konnte ein versierter SMler und Blogautor gewonnen werden, einen Gastbeitrag für RSM zu schreiben. Er schildert auf eindrucksvolle Weise wie es ist, wenn Sex fesselnd wird.

Bondage - 

Vom sich hängen lassen
und anderen befreienden Spielen

Ein Gastbeitrag von Lou Ping für RSM


Bondage - Wenn Sex fesselnd wird
© Photo by Norbert Waldorf

Vom sich hängen lassen und anderen befreienden Spielen
Unsere heutige "aufgeschlossene" Gesellschaft, die von sich selbst behauptet SM/BDSM sei salonfähig geworden, nur weil jemand eine Buchreihe geschrieben hat, die auf 15 von insgesamt mehr als 1000 Seiten von leichten BDSM Spielen handelt, ist es nicht. Bei genauerem Hinsehen sieht es doch eher so aus, dass es sich bei den meisten "aufgeschlossenen" Menschen um eine Art Lifestyle dreht, als um wahre Erfüllung ihrer Wünsche und Triebe. Stichwort Triebe. Ja, es sind unsere Triebe, die uns in Bereiche unserer Sexualität führen, die andere als verwerflich oder gar krankhaft ansehen. SM/BDSM gibt eine sehr klare Rollenverteilung vor: Einer macht und einer hält hin, und das geschlechterunabhängig. Es ist ein Geben und Nehmen, aber mehr Geben als Nehmen. 

Ich sehe schon, ich muss etwas weiter vorne anfangen für diejenigen, die sich noch nie mit der Thematik oder ihrer Sexualität auseinandergesetzt haben. Worum geht's überhaupt in einer SM/BDSM Beziehung? Machtgefälle vom dominanten Part zum devoten Part, Erfüllung vom Wunsch nach Schmerz, bzw. vom Wunsch danach, einem Menschen Schmerzen zuzufügen? Falsch! Es geht in einer SM/BDSM Beziehung um tiefste Hingabe unter den Partnern, um Vertrauen in seinen Partner, um Loslassen, sich fallen lassen, den anderen auffangen, Grenzen finden und verschieben. Keine Beziehungsform ist so durch Nähe und Zuneigung definiert, wie eine SM/BDSM Beziehung. Ob man das lernen kann? Ja, man kann das lernen, wenn man bereit ist, an sich zu arbeiten, seinen Sex zu überdenken. Muss man es lernen? Nein! Nicht, wenn man damit nur einem Lifestyle folgen will. SM/BDSM ist die intelligenteste Form der Sexualität, denn sie setzt Wissen voraus. Wissen über sich selbst und seinen Partner. Was weißt du über deine/n Partner/in beim Sex? Weißst du was ihr/ihm gefällt? Hast du sie/ihn einmal danach gefragt, was sie/er sich wünscht? 
  
Seile können als Fesseln große sexuelle Lust erzeugen.
© Photo by Norbert Waldorf

Bewegungslosigkeit zur Erreichung der eigenen Freiheit? 
Bondage oder der weniger verwendete Begriff Vincilagnia bezeichnet einen vom Rigger (aktiver Part) am Bunny (passiver Part) erzeugten Zustand der Bewegungsunfähigkeit. durch Fesseln mittels Seilen oder anderen Hilfsmitteln, wie z. B. Ledermanschetten an Armen und Beinen. Was ist daran besonderes, wird der ein oder andere von euch denken. Mir erging es genauso als ich begann, mich intensiver mit diesem Bereich des SM/BDSM zu beschäftigen. Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen was Menschen dazu bringt, sich in eine komplette Hilflosigkeit zu begeben. Ich begann Menschen danach zu fragen, was sie dabei empfinden, wenn sie sich derart ausliefern. Mir wurden Begriffe wie Freiheit und Geborgenheit genannt, und ich war noch verwirrter als ich es schon war. Meine Neugier war geweckt und ich stellte mehreren Menschen Fragen darüber, warum sie sich ihrer Freiheit berauben lassen, um die Freiheit zu erlangen. 

Die Fragen die ich stellte waren einfache Fragen wie:
"Wie hast du Bondage entdeckt als Spielart?" 
Ich wollte wissen was sie fühlen oder welche Empfindungen sich einstellen während des gefesselt seins oder dem Weg dorthin.
Von 15 Menschen, die ich zum Teil persönlich kenne, bekam ich Antworten, die ich niemals erwartet hätte.


Vertrauen und Hingabe: Brina und Marcel bei fesselnden Bondagespielen.
© Photo by Norbert Waldorf

Räuber und Gendarmspiele als Grundstein der sexuellen Ausrichtung?
Zur Frage wie sie zum Bondage gefunden haben kamen Antworten wie:  
„Das so genau zu sagen ist schwer. Es war auf einmal da, dieses Gefühl, in meiner Handlung eingeschränkt sein zu wollen. Ich glaube es fing an als mein Partner mir beim Küssen zum ersten mal die Hände über den Kopf aufs Bett gedrückt hat“.
Oder:„Gedanken und Phantasien gab es schon seit Kindheitstagen, aber das erste reale Erleben fand erst viel später statt, als ich bei ersten Besuchen in einem SM-Studio bemerkt hatte, dass mir von allen BDSM Techniken Bondage am besten gefällt“

Weitaus interessanter waren die Antworten zur Frage was sie empfinden, wenn sie gefesselt sind. Eine der vielen Antworten beschreibt sehr deutlich worum es beim Bondage geht:
Zuerst wenn ich nackt da stehe, fühle ich mich schutzlos, einfach nackt. Wenn sich dann langsam das Seil um mich windet, kommt ein unheimliches Kribbeln auf. Langsam immer mehr Windungen am Körper zu spüren, die sich enger und enger um mich schlingen, bringt ein Gefühl von Schutz, Einhüllen, sich nicht mehr nackt fühlen. Aber natürlich auch immer mehr das Gefühl des Ausgeliefert seins, wehrlos werden mit jeder Schlinge, die sich enger um meine Körper zurrt. Auch ein wenig Lustschmerz ist dabei, was natürlich sicherlich auf die Art des Schnürens ankommt, die der aktive Part anlegt. Mein Herr liebt es dabei, wenn er das lange Seil durch einen Knoten zieht, es die Haut dabei streift. Je schneller er dann zieht, desto mehr kommt ein Gefühl von Lustschmerz dabei auf, ein Brennen auf der Haut. Dann kommt dieses einengende Gefühl dazu. Das Atmen wird schwerer. Und doch ist es ein schützendes Gefühl, so kompakt zu sein.
 
Fertig verpackt dann, ausgeliefert für weitere Handlungen im SM Bereich, wehrlos sein, schon dieser Gedanke verschafft Lustgefühle. Irgendwie ein Widerspruch: Ausgeliefert sein für jegliche Handlung des Sadisten, der einem gegenüber steht, sich nicht wehren können, aber doch ein hohes Gefühl an Geborgenheit.
 
Am Ende einer Session dann das "Entpacken". Es ist wie eine Befreiung. Langsames loslösen der einzelnen Windungen, die meinen Körper umschlingen, bringt mich nochmal in Wallung. Aber auch da gibt es einen Widerspruch: das Lösen der Seile, das befreiend ist, aber doch auch das Gefühl wieder schutzlos zu sein, sich immer mehr nackt zu fühlen und am Ende, wenn sich das letzte Seil löst, ist es so ein, wie soll ich es sagen, so ein Wow Gefühl, ein Gefühl von Fallenlassen und Aufgefangen werden, wenn mein Herr mich dann in die Arme schließt.“ 

Ich habe selten Menschen gesehen oder gehört die so uneingeschränkt glücklich waren in ihrem Tun.
Das ganze Interview gibt es bei Erotikinsidernach zu lesen.


Bondage - Fesseln aus Leidenschaft
© Photo by Lou Ping

Die Kunst des Knotens kann heilende Wirkung haben?
Eine ganz andere Form des Bondage ist das „Kunstbondage“ bei dem sehr viel Wert auf ästhetische Perfektion im Aussehen des „Resultates“ gelegt wird. Shibari, oder Japan-Bondage ist eine dieser Formen. Der bloße Begriff "Shibari" bezeichnet in Japan das "Binden, Schnüren" allgemein und auch im übertragenen Sinne, wie bei "vertraglicher Bindung". "Kinbaku" bezeichnet hingegen straffes Festbinden oder straffes Fesseln. Daher ist es eher der Begriff, der zum eigentlichen Bondage passt. Ich möchte euch keine Lehrstunde in Begriffserklärung geben. Wer mehr darüber wissen will findet bei Wikipedia eine genaue Erklärung und Literaturverweise.


Eine weitere Form des Bondage kann eine heilende Wirkung erzielen, glaubt man einer Frau, die es zu ihrem Beruf machte. Bondage mit Tantrischen Elementen zu verbinden. Kristina Marlen ist Sexworkerin in Berlin. Ich durfte ihr zum Teil sehr persönliche Fragen stellen zu ihrer Berufung. Auf meine Frage, wie sie dazu kam, BDSM mit Tantra zu verschmelzen, antwortete sie: "Das ware ein längerer Weg. Erf ührte bei mir über den Körper. Ich bin ursprünglich Physiotherapeutin und Tänzeerin. In der Arbeit als Physiotherapeutin komme ich Menschen sehr nah. Irgendwann habe ich es nicht mehr eingesehen, warum ich die sexuelle Energie in der Körperlichkeit ignorieren soll. 

Ich habe dann begonnen mit tantrischen Elementen zu arbeiten. Das hat mich inspiriert, denn ich mag die Körperlichkeit, das Ritual. Ich mag die Hingabe. Ich mag, Menschen über den Körper in ihr (sexuelles) Selbst zu begleiten. Körperarbeit ist meine Berufung. Ich bin dabei von Anfang an den Geschichten gefolgt, die sich aus den individuellen Begegnungen ergeben haben, und habe mich dabei sehr bald aus den Begrenzungen einer klassischen Tantramassage befreit. 

Ich komm aus dem Tanz und der Performancekunst. Mir erscheint meine Körperarbeit immer wie eine One-to-one Performance. Und es reicht mir nicht aus, immer zärtlich und hingebungsvoll zu sein. Ich möchte andere Rollen spielen. Das Thema jeder Begegnung ist einzigartig. Auch nonverbal. Manchmal ist es physisch einfach klar, dass es in dem Kontakt eine andere Energie, eine andere Form der Manipulation oder Führung braucht. 

Ich war neugierig, hab mich weitergebildet und immer wieder Elemente, die mir liegen, miteinander verknüpft: Neotantrische Massagerituale mit Kontaktimprovisation. Performance mit dominanten Ritualen. Ich übe BDSM Techniken so lange, bis ich sie sicher an Klienten anwenden kann. Dabei habe ich für mich das Seil entdeckt. Bondage ist magisch für mich, jemanden zu fesseln ist ein Ausdruck der Dominanz, und gefesselt zu werden ist ein Akt der Hingabe. Gleichzeitig ist das Fesseln selbst sinnlich und erfordert vollständige Aufmerksamkeit für die Partnerin / den Partner. Und dazu kommen dann noch die Ästhetik und das Ritual. Ich liebe es, Bondage, tantrische Spiele mit dem Seil. Komplexe Hängungen sind meine Spezialitäten." 

Bondage braucht ein entsprechendes erotisches Ambiente
© Photo by Norbert Waldorf

Auf ihre ganz eigene faszinierende Art und Weise brachte sie mir einen weiteren Bereich der SM/BDSM Welt näher und zeigte allen Lesern wie intensiv die Erfahrungen sein können beim Spiel Bondage, egal in welcher Form man es auslebt. 
Das ganze Interview ist hier zu finden: Interview mit Kristina Marlene. Kristina Marlene
Heilende Dominanz

Fazit
Mein Fazit aus den vielen Gesprächen, die ich mit "normalen" Menschen wie du und ich führen durfte, war und ist: Hör auf in Schubladen zu denken und gebe allem und jedem eine Chance. "Wer nicht fragt, bleibt dumm", hieß es bereits vor langer Zeit in der Sesamstraße. Bevor ich das nächste mal sage: "So etwas kommt für mich nicht in Frage", werde ich die Menschen erst fragen, warum sie etwas tun, das für mich keinen Sinn ergibt. 

  
Zum Autor des Gastbeitrages: Lou Ping
Der Verfasser dieses Gastbeitrages , Lou Ping, ist Autor, Blogautor und SMler. Seit mehr als 6 Jahren schreibt er Kurzgeschichten, von denen er einige schon verkauft hat. Zur Zeit schreibt er an seinem ersten Buch, bei dem es sich um eine  - was auch sonst - SM Geschichte handelt. Dabei geht es um einen Mann, Roman, der sich seiner Triebe nicht bewusst ist und auf eine besodnere Art an das Thema SM herangeführt wird. Es soll eine Fortsetzungsgeschichte werden, die Roman auf seinem Weg begleitet. Aber sie soll auch zeigen, dass es nicht nur den Frauen so geht, dass sie nicht wissen, wie sie damit umgehen, wenn sie plötzlich feststellen, das sie "anders" sind. Es ist in einer sehr deutlichen Sprache geschrieben, die es aber nicht in diese "Schmuddelecke" treibt, in der sich viele Bücher befinden, die sich mit SM beschäftigen. 

Blogs und Seiten von Lou Ping 

Zum hier ficken oder zum mitnehmen?

Noch ein Sexblog

Kristina Marlene - Homepage
http://www.marlen.me/ 

Norbert Waldorf - Digitalfotografie
http://nw-digitalfotografie.de/index.html 


HERZLICHEN DANK, Lou Ping, für deinen Gastbeitrag auf RSM!
Deine solide Einführung  zum Thema Bondage
weckt Interesse und Neugier auf mehr!  -  Imagination


Ketten sind stimulieremde Hilfsmittel für tiefste Hingabe und vollkommenes Vertrauen 
der Partner in einer SM/BDSM Beziehung und können ein großes Lustgefühl auslösen.
© Photo by Lou Ping